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Kritik an Respekt-Vortrag von René Borbonus

Es gibt auf Youtube einen Vortrag von René Borbonus mit dem Titel “Wie Sie Ansehen bei Freund und Feind gewinnen”. In diesem Vortrag hebt Herr Borbonus die Wichtigkeit des gegenseitigen Respekts hervor. Leider verhält er sich an einigen Stellen derartig respektlos, dass ich einen Kommentar dazu verfasst habe, den ich in diesem meinen Blog noch ergänzen möchte.

Zunächst der Link zum Vortrag:

Hier mein Kommentar (so wie auf Youtube veröffentlicht):

Bei 13:03 sagt Herr Borbonus: “Prüfen Sie Dinge kritisch, auch die, die ich sage”.

Das habe ich gemacht. Da Herr Borbonus hier über Respekt redet, muss er sich auch folgende, meine Kritik gefallen lassen:

Zunächst habe ich (bisher hauptsächlich subjektiv bis bauchgefühlmäßig) den Eindruck, dass er hier künstlich diese ernsthaft-drückende Atmosphäre schafft. Das mag bei den angesprochenen Themen gut passen, ich halte es aber für zweckmäßig (aus seiner Sicht), im Klartext: Manipulativ. Sehr kurz zwischen einigen Witzen meine ich zu erkennen, wie er selbst lacht und seine Fröhlichkeit sehr schnell sofort wieder durch einen bewusst-ernsthaft aufgesetzten Gesichtausdruck ersetzt. Dieses Phänomen ist unter dem Begriff Mikrogesten bekannt. Das würde (falls ich mit meinem Bauchgefühl richtig liege) bedeuten, dass Herr Borbonus sich hier komplett verstellt, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Ein solches Verhalten wäre aus meiner Sicht Manipulation pur. Das wirft natürlich sofort die Frage auf, welchen Zweck er damit verfolgen könnte.

Folgende Punkte in seinem Vortrag finde ich — da es sich um das Thema Respekt dreht — in höchstem Maße kritisch:

1. Bei 4:55 sagt Herr Borbonus, direkt nach der Griechenland-Geschichte: “Und wir leben in einem Land, wo Fluglotsen einen ganzen Flughafen lahmlegen, weil sie mehr verdienen wollen, als Ärzte und Professoren. Ein bisschen weniger Hochmut und mehr Respekt würde uns da gut stehen”. Bevor der kritisch denkende Kommentarleser jetzt meinen Kommentar weiter liest, möge er (oder sie) diesen Satz und den Kontext in dem dieser genannt wird, mal ganz genau unter die Lupe nehmen. — (genau hier erstmal selbst denken) — Meine Meinung: Bei diesem Satz und in diesem Kontext handelt es sich um ein Rhetorisches Meisterwerk. Leider um ein höchst destruktives, das gegen die Piloten gerichtet ist, die ihr gutes Recht auf Streik wahrnehmen und pauschal über einen Kamm geschoren werden, denen unterstellt wird, sie wollten mehr verdienen als Andere (implizite Aussage: Neid, Gier), anstatt mal ein Argument der Pilotenvereinigung zu bringen, das vermutlich ein ganz anderes Licht auf die Sache werfen würde. Danach werden die zuvor genannten Piloten noch mit dem Wort “Hochmut” etikettiert (eine direkte Beleidigung). Noch während ich diesen Text schreibe, spüre ich ein abgrundtiefes Maß an Ekel, denn es widert mich an, wie jemand, der sich vorgeblich mehr Respekt in unserer Gesellschaft wünscht, in höchst professioneller Art und Weise andere Menschen durch den Dreck zieht. Ein solches Verhalten ist an Falschheit und Respektlosigkeit wohl kaum zu überbieten. Nun gut, es besteht eine Restwahrscheinlichkeit, dass es nicht so gemeint war, wie ich es empfinde.

2. Bei 6:24: “Anonymität macht uns zu wilden Tieren, das würde ich sofort abschaffen, wenn ich könnte, oder?!” Schön einseitig pauschalisiert, übrigens eine sehr manipulative, aus meiner Sicht respektlose Art der Kommunikation. Und zeitgleich fährt Herr Borbonus hier indirekt die Linie, eine Totalüberwachung zu befürworten bzw. sogar zu fordern. Mag sein, dass er das nicht so gemeint hat, aber ein gewisses Wirkungsbewusstsein erwarte ich schon von jemandem, der sich mit dem Thema Respekt auseinandersetzt. Er ist also entweder unfähig, die Konsequenzen seiner Aussage zu erkennen, oder tätigt diese absichtlich.

3. Direkt im Anschluss bei 6:32: “Gehen Sie auf ein seriöses Internet-Forum: Spiegel-Online.”
Muahaha 😀
Also spätestens hier könnte dem aufmerksamen und alternativ-medial gebildeten Menschen die Kinnlade runterfallen. Spiegel-Online in einem Satz mit dem Wort “seriös”. Dort werden regelmäßig kritische, gut recherchierte Kommentare gelöscht, weil sie nicht in das Weltbild der Redakteure passen.

4. Bei 11:11 “… meine Frau kann das in Perfektion zum Beispiel.” (Im Kontext: Sich respektlos verhalten)
Diese Stelle hätte ich gar nicht bemerkt, wäre ich nicht vor Kurzem im Quatsch Comedy Club in Hamburg gewesen. Als eher ruhig und spirituell angehauchter Mensch habe ich mich selbst gewundert, dort überhaupt hinzugehen. Aber gut, ein enger, auch eher ruhiger Freund, der sich ebenfalls über sich selbst wunderte, dort hinzugehen, hatte mich quasi eingeladen, weil eine Freundin mit ihm dorthin wollte. Eine Verkettung spezieller Umstände also. Aber ich schweife ab. Mal abgesehen von dem “Dieter-Bohlen-artigen” Niveau, das bei den meisten Sprüchen herrschte, ist mir bei allen drei “Comedians” der ersten Hälfte (in der Pause bin ich dann nach Hause gegangen) Folgendes aufgefallen: Sie haben alle ausnahmslos eigene Familienmitglieder durch den Dreck gezogen – aber so richtig übel. Nicht so verhalten und scheinbar harmlos, wie der Spruch von Herrn Borbonus in diesem Video rüber kommt.

Muss das sein? Wenn sich jemand als Abgesandter des Respekts hinstellt, warum sagt er dann über seine eigene Frau, diese könne sich in Perfektion respektlos verhalten?
Ich überlasse dem aufmerksamen Mitdenker, die zu Anfang gestellte Frage zu beantworten, welchen Zweck Herr Borbonus mit diesem Verhalten verfolgen könnte. Ein bisschen rote Pille muss man schon geschluckt haben, um es zu durchschauen.

Von den genannten Punkten abgesehen sind in diesem Vortrag natürlich sehr viele “gute” Elemente enthalten, die uns helfen können, respektvoller miteinander umzugehen. Insofern bin ich Herrn Borbonus dennoch dankbar für seinen Vortrag.

Aber meine Bitte an alle Zuhörer und Zuschauer: Passt auf, wenn ihr solche Vorträge komsumiert. Die richtig bösen Elemente sind mit den Guten eng verflochten und nur mit scharfen Sinnen und einem gut entwickelten Unterscheidungsvermögen zu trennen.

Und hier eine Ergänzung:

Ich habe weitere Verknüpfungen bewusst nicht auf Youtube gepostet, weil ich es für möglich halte, dass der Kommentar dort dann gelöscht wird.

Zunächst einmal haben andere Kommentatoren bereits geschrieben, dass der Vortrag “vorbereitet” wirkt. Und höchstwahrscheinlich ist er das auch. Die Allerwenigsten schütteln so einen Vortrag “mal eben aus dem Ärmel”. Bei 13:15 sagt Herr Borbonus weiterhin, dass er Rhetorik-Trainer sei. Das heißt für mich, dass er den Vortrag sehr genau vorbereitet hat und auch ganz genau weiß, was er dort im Detail sagt und welche Wirkung die oben kritisierten Elemente beim Zuschauer bzw. Zuhörer entfalten.

Ein Freund erzählte mir einmal, dass bekannte “Comedians” von “der herrschenden Klasse” bzw. “den Leuten in Entscheidungspositionen” gezwungen würden, sich mindestens einmal in Frauenkleidern zu zeigen. Wer dies nicht täte, bekäme auch keine gute Rollen und würde demnach auch kein Ruhm, Ansehen, usw. erhalten (zu dem Thema gibt es mit Sicherheit eine gute Dokumentation, sie ist mir aber nicht bekannt). Und genau diese Assoziation kam bei mir sofort hoch, als ich die gehäuften Diffamierungen in Bezug auf die eigene Familie bemerkte. Sollte ich in Zukunft mal wieder Comedy schauen, so werde ich sehr genau darauf achten, welche Comedians über ihre eigenen Familienmitglieder herziehen.

Sehr interessant ist auch, dass Herr Borbonus sich bei 13:10 und dem Satz “Glauben Sie mir kein Wort” an’s Ohr fasst. Kann Zufall sein, aber der durchschnittlich gebildete Verschwörungstheoretiker würde hier sofort eine Geste irgend einer Loge erkennen 😉

In diesem Blog möchte ich auch näher auf die Frage eingehen, welchen Zweck Herr Borbonus mit diesem Vortrag verfolgen könnte. Da meine Antwort eher unglaubwürdig klingen könnte, wenn ich sie direkt äußerte, zeige ich stattdessen auf, wie ich selbst zu ihr gefunden habe.

Ausgangspunkt sind die vier gefundenen Respektlosigkeiten. Diese sind rhetorisch sehr gut in einen sonst glaubwürdigen und fundierten Vortrag über Respekt eingebettet und werden vermutlich von den allerwenigsten Zuhörern erkannt, sondern stattdessen unbewusst “geschluckt”.

Interessant ist, wessen Positionen in diesen Passagen vertreten werden, also die altbekannte “Cui bono”-Analyse: Wem nützt es. Wer hat ein Interesse, der breiten Masse (das Video hat aktuell immerhin knapp 700.000 “Views”) diese “Programmierungen” unterzujubeln?

1. Eine Gruppe, die gegen die Pilotenstreiks (oder Streiks (=Aufbegehren) allgemein) ist. Das Thema war damals (Februar/März 2013) übrigens sehr aktuell.

2. Eine Gruppe, die ein Interesse an Totalüberwachung und der Abschaffung von “Anonymität” (=Privatsphäre) hat.

3. Eine Gruppe, die mit Spiegel-Online zusammenarbeitet bzw. befreundet ist.

4. Eine Gruppe, die ein Interesse daran hat, die Institution Familie zu zersetzen.

Noch etwas Wichtiges an dieser Stelle: Der oben genannte Vortrag wird bei Youtube sehr unkritisch gelobt. Obwohl wie gezeigt üble Respektlosigkeiten in dem Vortrag vorkommen, scheint die Mehrzahl der Zuschauer diese nicht zu bemerken, sondern ihn als Paradebeispiel oder geeignetes Lehrmaterial für Respekt zu halten. Jeder klar denkende Mensch müsste sofort die kognitive Dissonanz wahrnehmen, die bei dem Versuch entsteht, jemandem Respekt vermitteln zu wollen, indem man sich respektlos verhält. Wie bereits angemerkt ist der Vortrag rhetorisch hoch professionell gestaltet und wer Freude daran hat, kann die entsprechenden Stellen gern mal zerpflücken, um zu erkennen und zu zeigen, warum beim Publikum keine kognitive Dissonanz entsteht. Mir ist an dieser Stelle vor allem eines wichtig: Es gibt für die Wahrnehmung einer Situation, die eigentlich kognitive Dissonanz verursachen müsste, beim Zuhörer aber nicht als solche erkannt wird, eine prägnante Bezeichnung: Doppeldenk.

So weit, so gut. Wirklich faszinierend und statistisch interessant wäre natürlich, wenn es irgend eine Gruppe oder Gruppierung gäbe, auf die alle 4 oben genannten Punkte zutreffen und die gleichzeitig ein Interesse daran hat, Doppeldenk zu fördern. Wer könnte das sein?

Auf diese Frage hätte jeder durchschnittliche, gut gebildete Verschwörungstheoretiker sofort eine Antwort. Es ist eine Gruppe X (X ist hier nur ein Platzhalter 😉 ). Und jeder, der für diese Gruppe X arbeitet und gut von ihr bezahlt wird, hat sowohl ein Interesse daran, solch respektlose Elemente unter einen sonst guten Vortrag über Respekt zu mischen, als auch Doppeldenk in der breiten Masse als akzeptierte Geisteshaltung zu etablieren.

Wer jetzt immernoch keine Ahnung hat, worum es geht, findet möglicherweise in dem Roman 1984 hilfreiche Puzzlestücke (oder sogar die Antwort selbst) 😉

Polizei Hamburg: Wir sind bestenfalls zweite Wahl

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In der aktuellen Werbekampagne der Polizei Hamburg steht ein dunkelhäutiger Mann mit Fußballtrikot im Stadion und hält dem Betrachter die rote Seite einer Winkerkelle entgegen: HALT POLIZEI. Als (überwiegend) gesetzestreuer Bürger habe ich angehalten und mir die Werbung genauer angesehen.

Zunächst einmal schlägt mir die offensichtliche Absurdität der Situation entgegen. Warum trägt dieser (Schein-)Polizist ein Fußballtrikot? Ist das die neue Uniform oder arbeitet er als verdeckter Ermittler? Und was will dieser Mensch im Stadion mit der Kelle? Autos dürfen auf dem als heilig behandelten Rasen doch bestimmt nicht fahren. Oder ist ein Sprinter zu schnell gelaufen? Vielleicht ist das Volksparkstadion jetzt auch Gefahrengebiet und der Schiedsrichter soll durchsucht werden?

Ach nein, ist ja nicht “Realität”, sondern Werbung. Und in selbiger ist Absurdität ein beliebtes Mittel, um die Aufmerksamkeit des Betrachters zu fesseln. Im Regelfall wird nach dem sinnlos-absurden “Teaser” die Aufmerksamkeit möglichst schnell auf den manipulativen Teil der Nachricht gelenkt, um den Betrachter dazu zu veranlassen, ein Produkt zu kaufen oder in einem Fitnessstudio Mitglied zu werden. Dem Plakat nach hat der Mensch zur Polizei folgende Aussage gemacht:

“Mein Traumberuf war immer Polizist. Hätte es mit dem Fußball nicht geklappt, dann wäre ich bestimmt auch ein ganz guter Polizist geworden.”

Kurz verarbeiten … LOL! Nicht im Ernst, oder? Haben sich die Werbeleute vielleicht einen Spaß erlaubt?! Oder die implizite Botschaft gar nicht bemerkt?

Wir beleuchten das mal und ermitteln die in diesem Fall wichtigsten Fakten:

  1. Auf dem Plakat ist ein Mensch abgebildet, der “sagt”, Polizist sei immer sein Traumberuf gewesen.
  2. Er hat sich aber tatsächlich für einen anderen Beruf (Fußballspieler) entschieden.
  3. Der genauen Formulierung nach hat er seinen Traumberuf bei der Polizei Hamburg bereits über den Haufen geworfen. Sonst hätte er statt des Konjunktiv II …

“Der Konjunktiv II wird auch Irrealis genannt. Der Konjunktiv II wird verwendet, um unmögliche und unwahrscheinliche Bedingungen oder Bedingungsfolgen zu benennen oder um auszudrücken, dass unter mehreren an sich möglichen Folgen infolge menschlicher Entscheidungen durch Ermessensgebrauch eine bestimmte Folge ausscheiden werde.”

Quelle: Wikipedia (Konjunktiv II)

… den Indikativ verwendet und gesagt: “Wenn ich keine Lust mehr auf Fußball habe, dann gehe ich zur Polizei.” Hätte er machen können, hat er aber nicht.

Der Fall liegt klar. Polizist ist zwar angeblich immer sein Traumberuf gewesen, aber als er für sein eigenes Leben eine Entscheidung treffen musste, ist er doch nicht zur Polizei gegangen. Wenn es mit dem Fußball nicht geklappt hätte, wären ihm vielleicht auch noch Siebzehn andere, wichtigere Berufe eingefallen. Polizei war bestenfalls seine zweite Wahl. Er hat etwas anderes gewählt – vermutlich das, was ihm am wichtigsten war. Kann ich nachvollziehen.

Was ich allerdings sehr bemerkenswert bzw. schwer nachvollziehbar finde, ist, dass die Polizei Hamburg mit diesem Resultat Werbung macht. Denn in meinem Gehirn bleibt nach aufmerksamer Betrachtung und Analyse dieses Plakats nur folgende – für die Polizei eher unvorteilhafte – Essenz übrig:

Polizei Hamburg: Wir sind bestenfalls zweite Wahl